Seit
Jahren arbeiten die Lustenauer Archivare Dr. Wolfgang Scheffknecht und Oliver
Heinzle am ersten Lustenau-Lesebuch, tragen Texte zusammen, sprechen mit
Zeitzeugen, forschen in Archiven... Endlich ist es soweit: das 220 Seiten
starke Buch mit vielen Bildern, historischen und menschlichen Begebenheiten,
Mundart, Schmugglergeschichten, großen und kleinen Ereignissen und vielem mehr
wird von den Herausgebern im Freudenhaus der Lustenauer Bevölkerung
präsentiert.
Neben
der Begrüßung durch Bürgermeister Kurt Fischer tragen Silvia Fitz und Otto
Wund Texte und Gedichte aus dem neuen Lesebuch vor. Ulrich Gabriel erläutert
die verlegerischen Fakten und der Störtrupp des Musikvereins Lustenau besorgt die
musikalische Umrahmung.
Über die Lustenauer Mundart
Gibt es eine eigene Lustenauer Mundart? Es ist nicht schwer diese Frage zu bejahen; schwerer ist es, genau zu sagen, worin das eigentümlich Lustenauerische besteht. […] Solange wir nichts anderes hören, als unsere angestammte Mundart, kommen wir nicht darauf, daß da etwas Besonderes sein könnte. Erst wenn wir jemand zuhorchen, der ganz anders spricht, als wir gewohnt sind, fällt uns der Unterschied auf.
Das Natürliche ist nun, daß wir diese Redeweise als „artli“ empfinden und uns gern darüber lustig machen, ohne zu bedenken, daß dem andern unser Reden genau so „artli“ vorkommen muß. Es wird der Lustenauer aufgrund seines Dialektes oft genug gehänselt; man übertreibt unsere Besonderheiten und rennt dann gegen ein selbstgeschaffenes Zerrbild an. Übrigens geht es auch den Nachbarn nicht besser. Freundnachbarliche Spottverse und Sticheleien sind guter, alter Brauch. [...]
Aus: Ludwig Welti, Einiges über die Lustenauer Mundart.
In: Sonderbeilage zum Vorarlberger Volksblatt vom 22. März 1930, S. 38-40, mit Auslassungen.
Über die Lustenauer Mundart
Gibt es eine eigene Lustenauer Mundart? Es ist nicht schwer diese Frage zu bejahen; schwerer ist es, genau zu sagen, worin das eigentümlich Lustenauerische besteht. […] Solange wir nichts anderes hören, als unsere angestammte Mundart, kommen wir nicht darauf, daß da etwas Besonderes sein könnte. Erst wenn wir jemand zuhorchen, der ganz anders spricht, als wir gewohnt sind, fällt uns der Unterschied auf.
Das Natürliche ist nun, daß wir diese Redeweise als „artli“ empfinden und uns gern darüber lustig machen, ohne zu bedenken, daß dem andern unser Reden genau so „artli“ vorkommen muß. Es wird der Lustenauer aufgrund seines Dialektes oft genug gehänselt; man übertreibt unsere Besonderheiten und rennt dann gegen ein selbstgeschaffenes Zerrbild an. Übrigens geht es auch den Nachbarn nicht besser. Freundnachbarliche Spottverse und Sticheleien sind guter, alter Brauch. [...]
Aus: Ludwig Welti, Einiges über die Lustenauer Mundart.
In: Sonderbeilage zum Vorarlberger Volksblatt vom 22. März 1930, S. 38-40, mit Auslassungen.

